Februar 2017 – UNSERE REISE NACH TARGU JIU – EINE REISE INS ELEND – Tag 6

Wir sind im Tal der Tränen.
Traurig, verzweifelt und völlig entkräftet.
Unser Hundebaby Nummer zwei ist letzte Nacht auch gestorben. Sie war so schwach, dass ihr auch die Bluttransfusion nicht mehr helfen können.

Schweigend und weinend fahren wir mit Odin zum Tierarzt. Er ahnt nichts und turnt munter im Auto herum. Seine tägliche Spritze nimmt er sehr gelassen hin.

Wir haben die Fensterhöhlen im Shelter mit Zäunen vernagelt. Das ist nötig, denn von dem neuen Stück, das wir dazu mieten durften, dürfen wir nur den „Innenhof“ und zwei Eingänge benutzen. Die Hallen sind tabu, weil sie in einem furchtbaren Zustand sind. Ohne diese Maßnahme würden die Hunde von außen in diese fast lebensgefährlichen Hallen springen.

Und direkt stand unser Vermieter wieder auf der Matte und wollte die Miete bis zum Jahresende bezahlen.
Da wir aber schon lange nach einer anderen Lösung suchen, weil die Zustände nicht wirklich optimal sind und auch gesundheitliche Gefahren von alten Restbeständen der Schweinezuchtanlage bestehen könnten, haben wir es geschafft, ihn auf die Miete bis zur Mitte des Jahres herunterzuhandeln.

Über den Zustand und die gesamte Anlage werden wir zum Wochenende noch ein Video zeigen.

Dann haben wir alle Zwinger und alle Gänge und alle Zwischenräume gesäubert und vom Gerümpel befreit, damit wir überhaupt Zäune ziehen können.

Alles in allem werden die Hunde immer zutraulicher, je länger sie uns beobachten.
Dadurch können wir feststellen, dass sie, wenn sie mehr Kontakt zu Menschen hätten, die sich Zeit für sie nehmen, sehr liebevolle und anschmiegsame Hunde würden.

Leider hat unser rumänisches Team, das aus einer Kernmannschaft von drei Leuten und einigen Helfern besteht, kaum Zeit, sich intensiv mit den einzelnen Hunden zu beschäftigen. Es ist einfach zu viel Arbeit, die sie alle ehrenamtlich nach Feierabend erledigen.

Deutsche Volontäre wären das Beste, was ihnen und den Hunden passieren könnte.

Während aller Fahrten, die wir zu erledigen haben, sind wir völlig entsetzt, dass es wieder so unglaublich viele Straßenhunde gibt, obwohl wir letztes Jahr über 400 Hunde kastrieren ließen.

Es sind einfach wieder zu viele. Zu viele tote Welpen, ein toter Husky, halb unter Schnee begraben und wir sehen voller Entsetzen einen anderen großen schwarzen Hund, der den Husky frisst.

Ohne Worte.
Fassungslos.

Es ist kalt, es schneit, die Hunde auf der Straße haben nichts. Sie liegen im Schnee, es schneit auf sie, aber sie haben kaum Kraft, einen Unterschlupf zu finden. Also bleiben sie einfach liegen. Manche erleben den nächsten Morgen nicht mehr.

Und dann erhalten wir die nächste Hiobsbotschaft: Luana unsere wunderbare Hundemama, die nicht von ihrer dreibeinigen Tochter Latoya wegzukriegen war, hat einen Schlaganfall erlitten und ist gestorben.

Der Hals ist wie zugeschnürt, wir können nicht mehr reden. Tränen laufen über die Wangen, abwischen können wir sie nicht mehr.

Luana und ihre Tochter Latoya waren so aufeinander fixiert, dass wir sie nur zusammen vermitteln können. Nun ist Luana tot und wir wissen nicht, wie Latoya damit fertig wird. Sie hat nur drei Beine und wir achten sehr auf sie. Trotz unserer Trauer.

Claudia, unsere rumänische Tierschützerin und und Leiterin des Shelters fühlt sich außerstande, noch mit uns in die Pension zu fahren. Zu viele gestorbene Hunde in den letzten Tagen. Sie hält das kaum aus.

Wir stochern im Essen herum und gehen erschöpft, emotional und körperlich, ins Bett.

Posted in Reiseberichte.