FEBRUAR 2017 – UNSERE REISE NACH TARGU JIU – EINE REISE INS ELEND – Tag 7

Heute Morgen der obligatorische Besuch mit Odin beim Tierarzt. Er wurde von oben bis unten durchgecheckt, die Ergebnisse müssen wir abwarten. Der kleine Kerl war wie jeden Morgen putzmunter und hat alles sehr entspannt über sich ergehen lassen.

Unserer kleinen Olly muss leider das lahme Beinchen amputiert werden. Wir sind geschockt, denn zuerst hatte man uns Hoffnung gemacht, als wäre es noch zu retten. Aber weil das Bein völlig in die Wirbelsäule drückt, kämen mit den Jahren auch dort Schäden hinzu.

Eine Hündin aus der Pension, in der wir wohnen, mit der wir zuvor schon beim Tierarzt waren, hatte einen erfrorenen und dadurch abgestorbenen Schwanz. Der musste leider amputiert werden. Das ist dann direkt gemacht worden. Nun hat sie ein fachgerecht amputiertes Schwänzchen. Sie tut uns sehr leid, aber es ist viel besser, als bei so vielen anderen unserer Hunde, denen der Schwanz einfach so auf einem Holzblock abgehackt wird. Aus Spaß und zur allgemeinen Belustigung.

Wir haben uns dann aufgeteilt, um alles irgendwie zu bewältigen.

Im Baumarkt haben wir große Tonnen mit Deckeln gekauft, um das Futter darin zu lagern, denn die Säcke werden von Mäusen angeknabbert und von den Hunden auch. Nun können wir alles in die großen Fässer packen und mit einem Deckel verschließen.

Gleichzeitig verwenden wir ab heute einen anderen Teil der Tonnen, um darin die Exkremente der Hunde zu lagern. Wir können sie leider nicht täglich entsorgen, und es ist eine ganze Menge, was da zusammenkommt, deshalb werden sie bis zur Entsorgung zwischengelagert, ohne dass die Hunde ständig drangehen.
So können wir verhindern, dass Krankheitskeime im Verdauungssystem der Hunde landen, die sie wiederum schwächen.

Auf dem Parkplatz des Baumarktes irrte ein kleiner zuckersüßer Hund herum. In Rumänien werden Hunde, die sich in der Nähe von Geschäften aufhalten, gnadenlos mit Giftködern getötet.
Wir haben uns lange dort aufgehalten und beobachtet, ob vielleicht eine Mutter und Geschwister in der Nähe sind. Nichts war zu sehen, in den beiden in der Nähe gelegenen Sheltern war auch keine Hundefamilie zu finden, zu denen die kleine Maus gepasst hätte. Bevor nun irgendjemand dieses kleine Hündchen vergiftet oder überfährt, haben wir das kleine Schätzchen mitgenommen.

Viorel, unser Mitarbeiter im Shelter kam uns schon ganz aufgeregt entgegen, als wir endlich im Shelter ankamen. Er hatte morgens vor seiner Haustür 5 Welpen gefunden, von denen zwei so zerbissen waren, dass sie in seiner Wohnung gestorben sind. Weinend hat er uns gebeten, die anderen drei aufzunehmen.
Wie kann man das einem Mann mit so einem weichen Herzen verweigern? Natürlich können auch sie in der Welpenstube bei Claudia bleiben.
Heute waren wir insgesamt nur etwas mehr als zwei Stunden im Shelter, die wir dazu genutzt haben, die neuen Rudel zu beobachten und wenn es nicht geklappt hat mit den Hunden, die wir zusammengeführt haben, mussten wir halt nochmal umstellen.

Was uns und unsere Arbeit so wertvoll macht und das Ganze aushalten lässt, ist, zu sehen, wie sich diese geschundenen und von Menschen gequälten und vergessenen wundervollen Wesen nach und nach auf uns einlassen, weil sie merken, dass wir Gutes für sie tun.

Diese Entwicklung in den paar Tagen, die wir hier sind, zu beobachten, lässt uns unser Herz weit aufgehen.

Unterwegs kamen wir an einem unglaublich pompösen Friedhof vorbei, der im krassen Gegensatz zu den sonstigen Umständen hier steht. Beeindruckt hat uns, dass auch hier Streuner leben.

Rodica, unsere rumänische Pflegestelle hat unsere Kleine vom Baumarkt aufgenommen und päppelt sie nun erstmal auf. Sie ist dort in guten Händen, denn Rodica ist eine sehr erfahrene Frau und hat viele Hunde bei sich zuhause.

Natürlich haben wir auch Latoya einen Besuch abgestattet. Sie und Luana, die an einem Schlaganfall gestorben ist, hingen wirklich wie Pech und Schwefel zusammen. Das ist auch der Grund, weshalb es ihr nicht so gut geht.
Im ersten Moment macht sie einen entspannten Eindruck, doch beim zweiten Hinsehen fällt uns ihr trauriges Gesicht auf. Und sie bewacht mit „Klauen und Zähnen“ das Futter. Früher, als Luana noch bei ihr war, hat sie das nicht getan.
Es sieht fast so aus, als warte sie auf Luana und verteidige das Futter, damit Luana etwas zu essen hat, wenn sie zurückkommt.
Wie sollen wir ihr bloß erklären, dass dies nicht der Fall sein wird?

Am allerbesten wäre es für unser kleines „Dreibeinchen“, wenn wir schnell ein endgültiges Zuhause für sie fänden.

Und unser drittes Welpenmädchen macht einen guten Eindruck, wir hoffen inständig, dass sie wieder gesund wird.

Die Bilanz des heutigen Tages: Vier neue Welpen, kranke Hunde, zwei die bei Viorel gestorben sind, viel Kontakt zu unseren rumänischen Freunden.

Wir sind müde, aber die abendliche Verzweiflung bleibt heute aus. Man kann sagen, dass heute fast ein guter Tag war.

Posted in Reiseberichte.