FEBRUAR 2017 – UNSERE REISE NACH TARGU JIU – EINE REISE INS ELEND – Tag 8

Zuerst sind wir zum Shelter gefahren und haben uns dort mit unserem Tierarzt getroffen. Er hat einige Hunde, die schlecht laufen können oder hinken, untersucht und Medikamente verordnet.
Sie bekommen u.a. hochdosiertes Kalzium, das sich direkt in die Knochen einlagern kann, damit sich bei den Hunden, wo es an der Knochendichte liegen könnte, die gesundheitliche Situation verbessert. Zwei von ihnen werden wohl um eine Operation nicht herumkommen.

Danach haben wir Faro, einer unserer Sceletons (so nennen wir die Streuner, die nicht hineinkommen, aber unsere Futterplätze aufsuchen und sich immer am Shelter aufhalten) zur Tierklinik gebracht.
Er hat Probleme mit den Vorderbeinchen und fast kein Fell, Seine Hoden sind riesig groß und er muss dringend kastriert werden. Auf jeden Fall wird eine Gewebeprobe eingeschickt, um sicher zu gehen, dass nichts bösartiges dahintersteckt.
Im günstigsten Fall ist es ein hormonelles Problem.

Von dort sind wir zurück gefahren zu Claudia, unserer „Chefin“ des Shelters. Dort sehen wir uns an, wie eine Ausreise organisiert wird.
Anschließend sind wir wieder im Shelter zur groß angelegten Entwurmungs- und „Entflohungsaktion“ der Hunde, die am Wochenende ausreisen werden. Ihre Krallen werden geschnitten und dann kann es am Donnerstag losgehen.
Odin wird bei Claudia bleiben und er ist schon sehr interessiert an den Räumlichkeiten. Man könnte meinen, er wäre schon immer hier gewesen.
Wenn wir aus dem Fenster sehen, müssen wir schon wieder den Anblick der beiden Kettenhunde ertragen. Claudia hat schon mehrmals mit den Besitzern gesprochen, aber sie geben nicht nach. Die Hunde bleiben an der Kette, Tag und Nacht, das ganze Jahr.

Nach diesem kurzen Aufenthalt haben wir wieder im Shelter gearbeitet. Aus zwei kleinen Gehegen haben wir ein größeres gemacht, damit die Hunde mehr Platz bekommen.
Medikamente mussten sortiert und auf ihr Mindesthaltbarkeitsdatum geprüft werden.

Und wieder haben wir uns die Rudelkonstellation angesehen und alle Hunde nochmal hinaus gelassen ins Freie, damit sie toben und laufen können.

Inzwischen haben sich auch die drei Welpen eingewöhnt, die Viorel vor seiner Haustür gefunden hat. Wir haben ihnen noch eine Hundehütte ins Gehege gestellt, in der sie sich zusammenkuscheln können. Sie haben mit uns getobt und sich sehr „beschmusen“ lassen.

Durch das zusätzlich angemietete Außengelände haben wir nun ein neues Konzept verwirklichen können: die beiden großen Spielhallen bleiben den ganzen Tag geöffnet und alle Hunde können sich hier und draußen aufhalten, wie sie es wünschen.
Die Hunde, die abends noch in den Hallen sind, haben die Möglichkeit, dort zu bleiben. Die Hunde, die noch im Außengelände sind, müssen in ihre Gehege und können dort in ihre Hütten krabbeln.
So können die Hunde selbst entscheiden, wie sie die Nacht verbringen möchten.

Unsere Vision für unsere Hunde ist ein „Open Shelter“.
Das heißt, dass die Hunde die Möglichkeit haben, zwischen drinnen und draußen zu wechseln, wie sie es möchten. Leider können wir das auf diesem Gelände nicht verwirklichen, weil einfach zu viele Gefahren lauern auf der alten Schweinemastanlage lauern.
Vielleicht gewinnt jemand im Lotto? Wer weiß? 😉

Heute sind wir ein ganzes Stück hinter Claudia, unserer „Shelter-Chefin“ hergefahren, weil wir nochmal im Baumarkt waren, um Spielsachen und Körbchen für die drei Welpen zu kaufen.
Unterwegs haben wir uns dann gewundert, dass wir in eine völlig andere Richtung fuhren. Als das kleine blaue Auto dann vor einem Haus angehalten hat, durften wir feststellen, dass wir uns im rumänischen Verkehr an das falsche Auto gehängt haben. 😉
Glücklicherweise haben wir den Baumarkt alleine wiedergefunden.

Auf dem Weg zum Shelter haben wir einen grausigen Fund gemacht: Am Straßenrand lag eine tote Hündin, am Vorderbein gefesselt und einfach so liegengelassen.
Unsere Ohnmacht, ihr nicht helfen zu können, lässt einen großen Kloß im Hals aufsteigen.
Als wir anhalten, um sie zumindest von der Straße zu ziehen, werden wir beschimpft und verscheucht. Jetzt wissen wir, wie sich die Streuner fühlen.

Nachdem wir völlig müde und mit steifen Knochen das Shelter in Richtung Pension verlassen wollten, sitzt Ioana, eine stolze Hündin, hoch oben auf Claudias Auto. Ein tolles Bild. Doch bis wir unsere Handys zücken konnten, ist sie schon wieder heruntergesprungen.

So allmählich kennen unsere Fellnasen uns genau und sie freuen sich wie verrückt, wenn wir kommen.
Unsere Herzen sind schwer und etwas wie Wehmut schlägt uns auf die Stimmung. Als wir angekommen sind, kam es uns vor, als hätten wir unglaublich viel Zeit. Und nun ist schon der vorletzte Tag vorbei und wir fühlen Abschiedsstimmung. Die Hunde springen um uns herum, als würden sie das auch merken und als wollten sie uns nicht gehen lassen.

 

 

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