FEBRUAR 2017 – UNSERE REISE NACH TARGU JIU – EINE REISE INS ELEND – Tag 9 – Letzter Tag

Traurig stehen wir auf. Der Abschied steht bevor und schnürt uns die Kehle zu. Es gibt noch unglaublich viel zu tun, aber wir haben nur bis 17 Uhr Zeit. Wie sollen wir alles schaffen?

Unser kleines Welpenmädchen, dessen beide Schwestern gestorben sind, scheint sich zu erholen. Heute Morgen hat sie etwas gehustet und wir haben sie direkt mitgenommen zum Tierarzt. Ist aber nichts Schlimmes. Drückt mit uns die Daumen.

Die guten Nachrichten heitern uns auf: Faro, unser Junge mit den dicken Hoden hat keinen Krebs. Das Ergebnis bekommen wir, als wir ihn nach der Kastration abholen. Wir atmen tief durch und sind erleichtert. Er ist ein Traumhund und nun geht es aufwärts mit ihm.

Zuerst bringen wir Odin zu Claudia, unserer Shelter-Chefin ins Büro, er wird ihr ab heute Gesellschaft leisten, bis er ausreisebereit ist.
Als wir zurückkommen zum Auto, blutet Faro so stark an der Wunde, dass wir direkt wieder zum Tierarzt fahren, aber es ist nicht schlimm. Nur ein bisschen Nachbluten. Er wird versorgt und wir können wieder weiter.
Noch dazu haben wir ein dickes Knöllchen bekommen, weil wir direkt vor der Tierarztpraxis geparkt haben, weil wir in großer Sorge um Faro waren.
Der „Herr“, der das Ding geschrieben hat, wollte nicht mit sich reden lassen und ist hart geblieben. Klar, ihm bedeutet ein Hundeleben wahrscheinlich nichts.
Schon ist unsere Planung über den Haufen geworfen.

Wir sind stinksauer und die Stimmung ist am Nullpunkt.

Am Straßenrand sehen wir eine kleine Hundefamilie. Als wir anhalten, um unsere belegten Brötchen, die wir immer morgens in der Pension bekommen, an die ausgemergelte und klapperdünne Mutter zu verfüttern, ergreift sie die Flucht. Wieder einmal wird uns bewusst, welch schreckliche Erfahrungen sie gemacht haben muss, denn sie lässt einfach ihre Kinder im Stich. Das würde eine Mutter normalerweise nicht tun. Sie würde sie verteidigen und auf sie aufpassen.
So geben wir den Welpen die Brötchen, denn auch sie sind dünn. Sie stürzen sich auf den Belag und essen am Ende auch noch die trockenen Brötchen.

Niedergeschlagen fahren wir zum Shelter, denn es heißt allmählich Abschied nehmen.
Vorher noch einen Abstecher zum Baumarkt (bald werden sie uns mit Handschlag begrüßen), 30 Bälle kaufen, Leckerli und Mäntelchen für die drei Welpen, die vor Viorels Tür gelegen haben. Nun haben sie pinkfarbene Hundekörbchen und wärmende Mäntel, denn im Shelter gibt es keine Heizung.

Im Shelter schauen wir uns nochmal die Gruppen an, die wir neu gebildet haben. Fast alle Hunde sind jetzt im neu geschaffenen Auslauf und können laufen, spielen, toben.
In den Gehegen, die sich in einer Halle befinden, sind nur noch die Hunde, die sich nicht so gut mit den anderen verstehen und die ständig für Stress sorgen.
Sie tun uns von Herzen leid, aber wir können keine Beißereien riskieren und wenn wir sie so ansehen, machen sie keinen unzufriedenen Eindruck.

Wir schmeißen mit den neu gekauften Bällen um uns und verteilen Leckerli. Heulend und mit schweren Herzen kuscheln wir nochmal mit allen Hunden und am liebsten möchten wir alle mitnehmen.
Leider geht das nicht.

Tränenreich verabschieden wir uns von unseren rumänischen Kollegen und versprechen, ganz bald wiederzukommen.

Wir steigen ins Auto und sehen nicht mehr zurück, sonst wären wir komplett in Tränen aufgelöst.

Schnell noch mit dem Mietwagen in die Waschanlage und auch innen säubern wir das Auto, damit wir keine teure Reinigung bezahlen müssen.

Zwischen Waschanlage und Pension sehen wir wieder einige Autos der staatlichen „Dogcatcher“. Es ist für uns ein Schlag in den Magen, aber wir können nur ohnmächtig zusehen, wie sie die Hunde einfangen.

In der Pension angekommen, sitzen wir noch ein Weilchen mit Claudia zusammen und dann müssen wir packen, noch ein Stündchen schlafen und um 19 Uhr fahren wir nach Bukarest.
Vier Stunden Fahrt bis zum Flughafen und dann geht es nach Hause.

Auch hier ist der Abschied voller Tränen und Umarmungen.

Ereignisreiche Tage gehen zu Ende.
Wir haben so viel Elend gesehen und doch soviel Liebe.

Unser Shelter befindet sich in einem katastrophalen Zustand, wir haben kein fließendes Wasser, sondern mussten damals, als wir anfingen von einem 200 Meter entfernten Brunnen Rohre verlegen und eine Pumpe anschließen, damit wir überhaupt Wasser haben. Manchmal frieren diese Rohre im Winter ein verschiedenen Stellen ein und dann müssen wir warten, bis sie wieder auftauen.

Strom haben wir auch keinen, sondern nur einen mit Benzin betriebenen Generator. Er macht einen Höllenlärm, aber wir behelfen uns damit. Allerdings haben wir dadurch kein Licht und müssen alles vor Sonnenuntergang erledigen, was im Winter natürlich schwierig ist.

Auch die ganzen „Häufchen“ der Hunde können wir nicht so entsorgen, wie wir das von Deutschland gewohnt sind. Wir sammeln sie in leeren Futtersäcken und bringen sie zu den öffentlichen Müllsammelstellen. Davon gibt es hier reichlich.

Trotz all dieser widrigen Umstände, haben wir es geschafft, den Hunden eine einigermaßen erträgliche Unterkunft zu schaffen.
Unsere Aufgabe diesmal war, die Gehege im Innern der Halle zu vergrößern, mehr Auslauffläche innen und außen dazu zu gewinnen. Das ist uns gelungen.

Nun brauchen wir nur noch viele Adoptanten für unsere Hunde, damit sie ein schönes Zuhause bekommen.
In den nächsten Tagen werden wir unsere Schätze nach und nach vorstellen.

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