TAG 2 – Montag 19. Juni 2017 🐕RUMÄNIENREISE SHELTERBAU ++ HUNDEKNUTSCHEN ++ ARBEITSRHYTHMUS STELLT SICH EIN🐾🐾🐾🐾

Liebe Glücksfellchen-Freunde,

wieder ein Tag geschafft. Hier ist es heiß und wir schwitzen, aber es macht uns nichts aus. Schließlich sind wir hier nicht zum Strandurlaub eingetroffen.

Beim Frühstück haben wir schon Teams gebildet, um die Aufgaben des Tages zu erledigen.

Hauptaufgabe eines Teams war es, alle Hunde zu fotografieren. Wir haben dafür eine Messlatte aus Deutschland mitgebracht und wollen versuchen, die Hunde davor zu stellen, damit man direkt sieht, wie groß sie sind.
Einige von uns haben sich den ganzen Tag mit den Hunden beschäftigt, damit sie besser in ihrer Wesensart beschrieben werden können.
So haben wir die Möglichkeit, sie besser zu charakterisieren: schüchtern oder draufgängerisch, lieb oder nicht verträglich, dominant oder doch eher ängstlich.
Das ist sehr wichtig für eine gute Vermittlung, denn so kann man Enttäuschungen verhindern.
Manchmal sind die Hunde aber dann in ihrem endgültigen Zuhause doch ganz anders, nämlich einfach nur happy.

Ein weiteres Team war im Baumarkt und in Targu Jiu unterwegs, um die Materialien zu besorgen, die wir für den Bau des Aufenthaltraumes brauchen. Leider ist das in Rumänien nicht so einfach wie hier.


Man kann nicht „mal eben“ Rigips und Spanplatten und Holzlatten kaufen, die einem dann womöglich zurecht gesägt werden.
Nein, mühsam muss man sich alles zusammensuchen und was es im Baumarkt nicht gibt, muss anderswo beschafft werden.
Das kostet so unglaublich viel Zeit, aber es nützt nichts, darüber zu schimpfen, denn so ist es nun mal hier.
Ein wichtiger Einkauf war der von vielen stabilen Haken. Die sollten im Shelter an einer anderen nicht gut zugänglichen Stelle angebracht werden. Bisher hingen sie offen an der Wand (was auch jetzt nicht anders ist, denn im Shelter haben wir keine einzelnen Räume), aber sie hängen jetzt hoch oben, damit die Hunde nicht wieder damit „spielen“, sie herunterreißen und auch zerlegen.
Ist in der Vergangenheit leider oft geschehen. Aber woher sollen sie es auch wissen?
Niemand ist da, der es ihnen beibringt. Und Viorel und Dorinel haben immer zu wenig Zeit für die Hunde, weil es so unendlich viel zu tun gibt.

Und es ist zeitraubend, weil das ganze Shelter nur ein Provisorium ist.
Ein Hunde-in-Sicherheit-halten-Provisorium.

Ein weiteres Team hat das Shelter begutachtet und die Schäden aufgelistet, die neu entstanden sind.
Viele der arbeiten, die unsere deutschen Kollegen hier im Februar ausgeführt haben, sind dem Winter zum Opfer gefallen.
In den Abdeckungen der Böden und der Fenster sind Löcher.
Die Spanplatten, die wir auf den Böden verlegt haben, sind durchgewetzt, aufgeweicht, völlig verzogen. Sie werden nicht mehr lange halten und dann haben wir wieder nur die Gülle-Kanäle in den Hallen.
Hier müssen wir im Herbst wieder ran. Wir hoffen, dass die Platten den Sommer noch überstehen und dass keiner der Hunde oder Menschen mit diesen Spanplatten einbricht.

Natürlich kam es dann auch, wie es kommen muss: Notfall!
Viorel und Claudia mussten mit vier kleinen Welpen in die Klinik fahren. Sie waren Tage zuvor mit einem weiteren Geschwisterchen vor dem Shelter ausgesetzt worden.
Die Menschen dort kennen unser Shelter und sie übernehmen keinerlei Verantwortung für die Vermehrungsfreudigkeit ihrer Hofhunde.
Wenn die Welpen dann geboren sind, werden sie in Nacht – und Nebelaktionen zum Tierheim gefahren und ausgesezt. So auch diese 5 Babys.
Eins war schon so schwach, dass es direkt nach der Ankunft zu Rodica gebracht wurde. Es ist in ihren Armen gestorben.
Die anderen waren eigentlich guter Dinge und mopsfidel. Ein Baby war immer etwas ruhiger als die anderen.
Gestern nun war es apathisch und bekam so einen charakteristischen, in die Ferne gerichteten Blick, die kleinen Augen blickten stumpf.
Das Baby muss in der Klinik bleiben, es bekommt Infusionen. Die anderen drei haben Claudia und Viorel wieder mitgebracht.

Eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe konnten wir gestern abschließen. Wir haben Medikamente und Verbandszeug gesichtet, aussortiert, was abgelaufen war, neu sortiert, was noch zu gebrauchen ist. Verbandsmaterial gestapelt und alles was im weitesten Sinne zu einer „medizinischen Versorgung“ gehört, aufgereiht.

Wir haben auch noch versucht, die Sachspenden, die wir bekommen, zu ordnen und irgendwie vernünftig zu lagern. Leider war das zum Scheitern verurteilt, weil es keine Möglichkeit dafür gibt. Wir mussten alles zurück stecken auf die riesigen Luftschächte, die in allen Hallen unter der Decke verlaufen.

Das Beobachtungsteam hat dann am Nachmittag Spielzeuge unter den Hunden verteilt und mit ihnen getobt und gespielt, die Hunde – und auch die Menschen – haben es sichtlich genossen.

Der Höhepunkt kam dann etwa eine Stunde später. Als die Hunde ausgepowert und müde im Schatten lagen, haben wir ihnen Wasserbecken in Form von Muscheln, wie sie auch Kinder benutzen, aufgestellt und befüllt. Das war ein schwieriges Unterfangen, denn wir haben ja kein fließendes Wasser im Shelter.
So mussten wir immer wieder an die Pumpe gehen und das Wasser eimerweise zu den Muscheln bringen. Wir wurden von den Hunden begleitet und es war ein einziges Hin und Her.
Sie haben getobt, geplanscht, gebuddelt und wieder geplanscht.

Wir haben einfach nur dabei gestanden und ihnen zugesehen.

Als wir spät abends (das geht im Sommer, es ist lange hell), mit dem Auto in die Pension gefahren sind, standen die Hunde am Tor der ersten Schleuse und sahen uns noch lange hinterher.
Und wir haben lange zurückgesehen.

Mit einem Kloß im Hals und Kummer im Herzen.

Können wir es schaffen, ihnen ein Shelter zu bauen, in dem keine Verletzungsgefahr für sie besteht?
Können wir es schaffen, ein Shelter zu bauen, in dem (heute mit Bestürzung entdeckt) wir das Futter lagern können, ohne dass etwa 300 kg verschimmeln und verrotten, weil die Ratten die Säcke anfressen und dann Feuchtigkeit eindringen kann?
Können wir es schaffen, ein Shelter zu bauen, in dem es einen hygienischen Lagerraum für Futter und Medikamente gibt?
Können wir es schaffen, ein Shelter zu bauen, in dem es eine Waschmaschine gibt? Im Moment müssen wir stark verunreinigte Decken, Handtücher und sonstiges Kuschelmaterial wegschmeißen.
Können wir es schaffen, ein Shelter zu bauen, in dem die Hundehaufen nicht bis in den Himmel wachsen?
Wir sind wild entschlossen.

Müde und erschöpft, aber glücklich vom Zusammensein mit den Hunden fallen wir ins Bett.

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