TAG 4 – MITTWOCH 21. Juni 2017 (🐕RUMÄNIENREISE SHELTERBAU ++ ENTSETZEN ++ TROCKENE TRÄNEN ++ BRUTALITÄT ++ SCHRECKLICHE BILDER ++SCHLAFENDE HUNDE 🐾🐾🐾

Liebe Glücksfellchen- Freunde,

dieser Tag war ein ereignisreicher. Der schlimmste, seit wir hier sind, denn das Entsetzen steckt uns noch in den Knochen.
Von der Pension auf dem Weg ins Shelter hat uns das Grauen gepackt.
Ein Hund lag mitten auf der Straße. In der prallen Sonne. Überfahren.
Wir fuhren rechts ran, sprangen aus dem Auto und sahen schon, dass wir zu spät kommen.


Der Kiefer war gebrochen, die Schädeldecke geöffnet und die Därme lagen auf der Straße.
Wir konnten nicht reden. Schweigend, ohne uns abzusprechen, aber aus Respekt und Liebe zu diesem armen Tier, hoben wir es auf, sammelten die Reste ein, die nicht mehr mit dem Körper verbunden waren und legten den Hund auf den Grünstreifen am Straßenrand in den Schatten.
Wir sind so entsetzt, dass wir nicht mehr schauen, ob es ein Rüde oder eine Hündin war.
Im Auto können wir nicht reden. Wir möchten schluchzen und weinen, aber auch dazu fehlt was. Unsere Gefühle sind wie abgestorben und uns hängt dieses grausige Geschehen noch den ganzen Tag nach.
Als wäre das noch nicht genug, finden wir kurz vor dem Shelter ein weiteres totes Tier. Ein Welpe.
Schon relativ groß. Äußere Verletzungen hat er nicht, aber er besteht nur aus Haut und Knochen.
Annika hebt ihn auf, bringt ihn zur letzten Ruhe an eine kleine Mauer und wir fahren weiter.
Nichts geht mehr.

Im Shelter angekommen, haben wir dann einfach Viorel und Dorinel bei ihren täglichen Arbeiten geholfen. Wir haben die Haufen weggemacht und einmal mehr die Urinflecken von den OSB-Platten geschrubbt.
Das tat uns gut, war eine einfache Tätigkeit und wir konnten unseren Gedanken nachhängen.
Leider ist das Shelter auf einer Art Niemandsland und deshalb nicht an das städtische Versorgungssystem angeschlossen. Deshalb wird kein Müll abgeholt und wir können die Ausscheidungen der Hunde nicht ordnungsgemäß entsorgen. Also behelfen wir uns mal wieder mit einer riesigen ausgehobenen Grube.

Danach haben wir einfach mal angefangen, aufzuräumen, denn das Kastrationsmobil taucht einfach nicht auf. Typisch für Rumänien. Termine macht man, um sie nicht einzuhalten.

Leider haben wir keine Lagerräume, deshalb lagern wir alles auf den riesigen Lüftungsschächten, weil dort kein Hund drankommt. Ein Mensch übrigens auch nicht, deshalb brauchen wir immer Leitern. Und die stehen meist in der falschen Halle. Also muss einer losrennen und die Leiter suchen.
Als wir sie endlich haben, machen wir gleich Bekanntschaft mit einem weiteren Bewohner des Shelters. Einer Ratte. Sie kommt oben auf die Lüftungsschächte. Sie und ihre zahlreichen Verwandten. Sie waren es auch, die unsere Futtersäcke angefressen haben und dafür verantwortlich sind, dass 300 kg verrottet sind.

Endlich kommt mit 2 Stunden Verspätung das Kastrationsmobil. Wir sind froh, denn jetzt geht es richtig rund. Arbeit satt. Gedanken auf stumm. Das tut gut.

Heute war der Hündinnen-Tag. Wir haben viele Streunerinnen kastriert, Mädels aus unserem Shelter und die Hunde der Anwohner, die dafür kein Geld haben.
Es ging Schlag auf Schlag.

Viorel hatte auch noch einen Hund mitgebracht. Er stammt aus seiner Nachbarschaft und der Besitzer hat diese wunderschöne große Hündin regelmäßig mit dem Stock verprügelt. Heute hat Viorel seinen ganzen Mut zusammengenommen und den Besitzer gebeten, ihm das Mädchen zu überlassen. Zum Kastrieren.
Der Besitzer hat nicht gezögert und hat angedroht, die Hündin totzuschlagen, falls Viorel sie wieder mitbringt!

Mit all unserer Überzeugungskraft haben wir dann noch bei einem weitläufigen Nachbarn des Shelter vorgesprochen. Er hat zwei Kettenhunde, die seit ihrer Welpenzeit nicht davon losgekommen sind.
Wir erklären ihm, dass wir sie kastrieren lassen, das völlig verwahrloste Fell pflegen und sie ein bisschen aufpäppeln wollen.
Er gibt sie uns wahrhaftig mit. Wir fühlen uns schon als Sieger.
Abends, als alles überstanden ist, die Hündinnen kastriert und geschoren sind, steht er am Tor und fordert lautstark seine Hunde zurück. Wir mussten sie ihm aushändigen, kein Polizist hätte uns geholfen. Später, als wir zurückfuhren in die Pension, waren die beiden Mädchen wieder an der Kette. Zwei wunderschöne große ruhige Hündinnen. Ihr Blick, den wir im Vorbeifahren aufschnappen, lässt uns schlecht einschlafen.

Ein Teil unseres Teams hat sich auf die Suche nach der scheuen Mutter unserer sechs geretteten Welpen gemacht. Wir haben sie gefunden und ihr Futter mit Beruhigungsmitteln hingeworfen. Sie hat „den Braten gerochen“, nichts gefressen und ist abgehauen. Wir haben drei Stunden in der prallen Mittagshitze nach ihr gesucht. Sie war spurlos verschwunden.
Noch 3mal sind wir im Laufe des Tages dort gewesen, aber sie ist nicht aufgetaucht.
Morgen ist auch noch ein Tag.

Ihre Welpen haben einen gesonderten Bereich im Shelter bekommen. Die Privathäuser unserer Tierschützer sind aufgrund der Welpenschwemme von diesem Jahr völlig überfüllt und wir können eigentlich keine Welpen mehr aufnehmen.
Deshalb musste der Aufenthaltsraum für Viorel und Dorinel ruhen und wir haben einen Zwinger umgebaut. Laminat verlegt, die Gitter mit OSB-Platten verkleidet und alles 3mal desinfiziert. Nun haben sie einen eigenen Bereich und wir hoffen, dass das gut geht. Wir zittern und sind bange, denn es ist ein großes Risiko für die Kleinen, dort zu leben, wo die Großen sind. Denn die Babys sind noch nicht geimpft und somit schutzlos.

Fünf Glücksfellchen-Teammitglieder haben die Kastrationsaktion begleitet und habensich in den „Aufwachräumen“ um die narkotisierten Hunde gekümmert. Die Streuner haben sie auch eingefangen und die Hunde von den Privatleuten in Empfang genommen und auch wieder herausgegeben.
Um 22:00 Uhr ist die letzte Hundedame aus der Narkose aufgewacht. Eine halbe Stunde später sind wir in die Pension gefahren.
Und die Gedanken, die uns durch die Köpfe rasten, haben wir versucht zu verdrängen.
Mit mäßigem Erfolg.

So kann man helfen:
Hannoversche Volksbank
IBAN: DE84251900010687242500
BIC: VOHADE2HXXX
Paypal:
gluecksfellchen@web.de

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