TAG 6 – Freitag 23. Juni 2017 UND TAG 7, SAMSTAG, DER LETZTE🐕RUMÄNIENREISE SHELTERBAU ++ ABSTURZ IM SHELTER ++ SCHWERE HERZEN ++ LIEBE ENDLOS ++ HUNDE TRAUMHAFT ++ ZU VIELE TOTE AM STRAßENRAND ++ ABSCHIED

Liebe Glücksfellchen-Freunde,

der letzte Tag ist gekommen. Frühwachen wir auf, schweigend frühstücken wir, die Herzen sind schwer, die Tränen stehen hoch in den Augen.
Schweigend fahren wir auch ins Shelter.
Stolz schauen wir uns die Zaunverkleidung an. Sie ist auch fertig geworden. Nun herrscht mehr Ruhe im Eingangsbereich, die Hunde sind nicht mehr so aufgeregt, wenn außerhalb des Shelters Bewegung herrscht.

Wir öffnen das Tor, um in die Schleuse zu fahren…
…und sind entsetzt.

Dass es in der Nacht gestürmt hat, hatten wir nur oberflächlich mitbekommen, weil wir so müde waren und deshalb so tief und fest geschlafen haben.
Dass es ordentlich gestürmt hat, sehen wir an den beiden Pavillons, die für die Hunde Schatten spenden sollten.
Sie sind Geschichte. Eingeknickt wie Zahnstocher.
Jetzt müssen wir lachen. Egal, wenn nicht mehr als das passiert ist. Auf den ersten Blick hat es keine weiteren Schäden gegeben.
Also zuerst helfen wir wie jeden Morgen Dorinel und Viorel, die Haufen zu beseitigen, die OSB-Platten in den Zwingern zu reinigen. Penibel alle Futternäpfe zu schrubben, die Wassernäpfe zu desinfizieren und den Müll wegzuräumen.

Dann krempeln wir die Ärmel hoch und machen uns an das Pavillon – Puzzle. Es sind ungefähr 57 Teile, aber nichts passt mehr zusammen.
Nun gut.
Annika hat eine gute Idee. Sie schlägt vor, aus den Resten und einer großen Plane einen großen „Baldachin“ über einen Gang zwischen den Hallen zu spannen. Er soll quasi die beiden Pavillons ersetzen und sturmsicher befestigt werden.
Wir sind begeistert und gehen enthusiastisch ans Werk.
Muti steigt Annika auf die Leiter, die sie an das Hallendach gelehnt hat und prüft vorsichtig Schritt für Schritt, ob es nicht zu marode ist und ob es sie trägt.
Ja! Es hält.

Bis wir alles nach oben geschafft haben, steht die Sonne schon wieder hoch am Himmel und wir schwitzen.
Annika schwitzt auf dem Dach. Glücklich jubeln wir, als eine Seite der Plane befestigt ist.

Das Knirschen hören wir erst nicht, aber in Sekundenschnelle gibt es einen ohrenbetäubenden Knall und wir sehen nur noch Annika im Dach verschwinden.
Sie ist eingebrochen. Es war doch zu morsch.
Nach einer Schrecksekunde stürmen wir in die Halle.
Annika, unsere Hunderetterin, lächelt tapfer. Sie ist einer weiteren provisorisch hergerichteten Welpenkammer gelandet. Ihr ist nichts passiert. Ein Haufen blaue Flecken wird sie noch eine Weile an dieses Erlebnis erinnern.
Glücklicherweise waren gerade keine Welpen drin. Wir müssen nur alles neu desinfizieren.
Als hätten wir es geahnt….
Den ganzen Müll packen wir in unser Auto, um ihn zur öffentlichen Müllstelle zu bringen. Da wir für die Stadt nicht existieren, wird leider kein Müll abgeholt.
Auf dem Weg dorthin lesen wir einen total entkräfteten Welpen auf. Er ist ein Skelett mit Fell und völlig dehydriert.

Wir beeilen uns mit dem Müll und sehen zu, dass wir ins Shelter kommen.
Als wir den Müllplatz verlassen, läuft uns eine Hündin hinterher. Mit dickem Gesäuge. Die Mutter des Welpen? Nein, das kann nicht sein. Es passt optisch und von der Größe her gar nicht.
Also entscheiden wir blitzschnell, sie nicht mitzunehmen, weil wir ihre Welpen sonst zurücklassen würden.
Aber sie läuft uns immer weiter hinterher. Sie sprintet, um uns einzuholen. Wir können nicht schnell fahren, wegen der Schlaglöcher. Aber sie bleibt dran.
Wir geben auf und halten an.
Als Marita aussteigt, springt die Hündin ins Auto.
Was sollen wir tun?
Wir lenken sie um, in den Kofferraum. Dort legen wir den kleinen Welpen an ihr Gesäuge und tatsächlich lässt sie es zu.
Wieder treffen wir eine sekundenschnelle Entscheidung. Viel zu schnell fahren wir zurück ins Shelter. Aber Eile ist geboten.
Wir packen die Hündin mit dem Baby in die Welpenkammer, die nun ein riesiges Loch im Dach hat. Glücklicherweise hat Viorel die Reste des eingestürzten Dachs schon weggeräumt und neu desinfiziert.
Hündin und Welpchen bleiben in seiner Obhut und wir rasen zurück zur Müllstelle.
Und tatsächlich. Wir finden vier Babys. Diese passen besser zu der Hündin.
Schnell packen wir sie ins Auto und fahren zurück ins Shelter. Diesmal in dem Tempo, das erlaubt ist.
Große Aufregung bei unserer Ankunft, weil wir die Welpen gefunden haben.

Nur Claudia, unsere Shelter-Chefin schaut betrübt. Es ist schwierig mit Mutter und Adoptivbaby.
Die Hündin ist sehr nervös wegen der vielen anderen Hunde. Die Geräuschkulisse ist extrem hoch.
Bei etwa 170 Hunden im Shelter bellen gefühlt immer 169.
Schnell holen wir OSB-Platten, die für den Aufenthaltsraum gedacht waren und montieren sie um die Welpenkammer herum. Nun ist es etwas leiser und es gibt keine freie Sicht mehr auf die anderen Hunde.
Sie kommt kaum zur Ruhe, freut sich aber, als wir ihr ihre Babys in die Kammer bringen. Sofort lässt sie sie trinken.
Aber das adoptierte Baby nimmt sie nicht mehr an. Wir sind entsetzt und überlegen fieberhaft.
Es muss in die Klinik, sonst hat es keine Chance.

Ein letztes Mal versuchen wir, die scheue Mutter der 6 Babys von unserem ersten Tag zu fangen und in Sicherheit zu holen. Wir nehmen die beiden kräftigsten Babys mit.
Und wahrhaftig, sie kommt auch. Wir halten uns im Hintergrund, denn sie kommt zwei Schritte vor und einen zurück. Als wüsste sie, was wir von ihr wollen.
Schließlich hat sie ihre Babys erreicht. Sie schnuppert kurz an ihnen, dreht sich um und rennt davon.
Wir bleiben noch über eine Stunde dort, aber sie kommt nicht zurück.
Wir sind unendlich traurig.

So beenden wir den letzten Tag mit Aufräumarbeiten, kuscheln mit den Hunden und nehmen langsam Abschied.
Einen herzenswarmen Punkt haben wir bei unseren Hunden erreicht:
Sie alle genießen unsere Nähe, unsere Streicheleinheiten, unsere Zuneigung, Fürsorge und Aufmerksamkeit. Selbst die Ängstlichsten und Schüchternsten von ihnen haben in den paar Tagen gelernt, dass Menschen auch gut sein können.
Dass Menschen Liebe geben können.
Dass Menschen retten können.
Dass Menschen helfen können.
Dass Menschen Sicherheit geben können.

Das alles wussten sie vorher nicht.

So kann man helfen:
Hannoversche Volksbank
IBAN: DE84251900010687242500
BIC: VOHADE2HXXX
Paypal:
gluecksfellchen@web.de

Posted in Reiseberichte, Startseite.