Der „gebrauchte Hund“

…Der gebrauchte Hund…

Es tut uns leid, dass wir nicht perfekt sind, aber wir hatten schon ein Leben, bevor wir zu euch kamen…

Auf den Straßen Rumäniens waren die meisten von uns uns selbst überlassen. 

Es hat sich kaum jemand um uns gekümmert. Wir haben bereits als Welpe schnell gelernt, was es bedeutet, Hunger zu haben. Das ist nicht ohne Spuren geblieben – einige davon sieht man an unseren Körpern, manche auch in unseren Seelen.

Wenn wir zu euch kommen, benötigen wir Zeit – und viel Geduld und Liebe.

Nur zu gern würden wir uns freuen, dass ihr euch ab sofort fürsorglich um uns kümmert. Aber wir müssen erst Vertrauen fassen. Wir wissen ja nicht, dass ihr uns nicht schlagt, tretet oder wieder verjagt. Wenn ihr uns Zeit gebt, werden wir lernen, euch zu vertrauen. Leider können wir euch nicht berichten, was wir alles erlebt haben. Manches könnt ihr vermutlich an unserem Verhalten ablesen. Einige hatten Glück und mussten keine negativen Erfahrungen sammeln – sie können offen auf alles zugehen, andere noch nicht. 

Einige von uns sind krank, tragen sogar Schrotkugeln im Körper. Andere haben schlecht verheilte Verletzungen, da man sie angefahren und einfach so liegen gelassen hat.

 

Oftmals waren wir unseren Besitzern in Rumänien nichts wert, sie sind nicht mit uns zum Tierarzt gegangen, wenn wir krank waren. Einfacher war es, uns wie Müll zu entsorgen, wenn wir nicht mehr “funktionierten”. Mit unserem geschwächten Immunsystem hatten wir Parasiten wenig entgegenzusetzen.

Die von uns, die Glück haben, landen bei liebevollen Tierschützern wie Vali, Daniela oder Maria, die unsere Wunden versorgen, uns regelmäßig Futter und Wasser geben und versuchen, uns unsere Ängste zu nehmen. Einige von uns werden nicht in eine Familie vermittelt werden können, da unsere Erlebnisse zu traumatisch waren. Aber auch wir lernen, dass nicht alle Menschen grausam sind und genießen unsere Sicherheit, die wir hier nun haben. 

Für viele von uns ist es wirklich das erste Mal in unserem Leben, dass sich Menschen liebevoll um uns kümmern, und langsam bekommen wir eine Ahnung davon, wie schön so ein Hundeleben vermutlich sein könnte…

Wenn wir das Glück haben, ausreisen zu dürfen und zu euch kommen, haben uns die Tierschützer impfen lassen und unsere Verletzungen sind größtenteils ausgeheilt. Wenn es nötig war, waren wir in der Klinik und wurden operiert. Wir bekamen Medikamente, wurden entwurmt, einige wurden kastriert und die Erwachsenen von uns haben auch das Testergebnis über Mittelmeererkrankungen im Reisegepäck.

Ganz genau weiß niemand, wie alt wir wirklich sind. Falls wir überhaupt welche hatten, haben uns unsere früheren Besitzer nicht chippen lassen oder irgendwo registriert. Die Tierschützer lassen unser Alter von den Tierärzten schätzen, aber auch sie können sich manchmal irren. Es kann sich vielleicht erst später herausstellen, dass wir doch etwas älter sind als gedacht – oder auch jünger. Aber dafür kann niemand etwas… wir am allerwenigsten…

Die Tierschützer müssen alles, was sie für uns tun, selbst finanzieren – und sie tun sehr viel für uns. Die Spenden, die sie erhalten, wären dafür nicht ausreichend. Die Schutzgebühr, die sie für uns bei einer Adoption erhalten, trägt dazu bei, dass sie ihre Arbeit fortsetzen können. Aber die Tierschützer retten nicht nur uns Hunde, sie führen auch Kastrationsaktionen durch, um weiteres Tierleid einzudämmen. Wir hoffen, dass es so immer weniger werden, die so leben müssen wie wir es mussten. 

Dann ist es endlich soweit… wir sind bei euch angekommen… ein ganz neues Leben für uns beginnt. Viele von uns kennen noch kein Haus von innen, von einem kuscheligen Körbchen oder gar einem Sofa konnten wir nur träumen.

Wir werden lernen, euch zu vertrauen und mit der Zeit werden wir uns immer besser zurechtfinden. Bitte helft uns dabei – mit viel Liebe und Geduld. Wir sind auf euch angewiesen – unser ganzes Leben lang. 

Bitte seid nicht enttäuscht, wenn wir erstmal anders sind, als ihr es euch gewünscht habt. Seid nicht ungeduldig, schimpft nicht mit uns, wenn wir noch nicht sofort stubenrein sind. Bitte gebt uns nicht gleich wieder zurück, wenn wir uns nicht auf Anhieb so verhalten, wie ihr es euch vorgestellt habt – wir haben doch jetzt nur noch euch!

Bitte gebt uns Glücksfellchen eine Chance – dann werden wir ganz bestimmt eure neuen besten Freunde, die mit euch durch dick und dünn gehen – ein Leben lang!